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Ernährungskrise

Nahrungsmittelpreise weltweit auf Rekordhöhe

Explodierende Preise für Grundnahrungsmittel lassen die Anzahl der Hungernden weiter steigen.

„Brot für die Welt“ betrachtet mit Sorge, dass die Nahrungsmittelpreise weltweit auf Rekordhöhe gestiegen sind. Auch die Welternährungsorganisation (FAO) warnt bereits vor einer neuen Lebensmittelkrise. Erst 2008 waren die Lebensmittelpreise so hoch, dass es in einigen Ländern zu Unruhen und Aufständen gekommen war. Die Zahl der Hungernden lag zu diesem Zeitpunkt bei über einer Milliarde Menschen. Bis Ende 2010 hatte sich die weltweite Nahrungsmittelverfügbarkeit wieder so weit verbessert, dass die Zahl der Hungernden unter die Milliardengrenze sinken konnte.

Doch nun sind die Nahrungsmittelpreise wieder fast so hoch wie 2008. Insbesondere in Asien explodieren die Preise momentan. Einer der Gründe ist die Spekulation mit Nahrungsmitteln, die auf den Finanzmärkten zu einem „interessanten Anlageobjekt“ geworden sind. Durch gezielte Verknappung des Angebots werden die Preise in die Höhe getrieben. Dieser Trend wird verschärft durch den Verkauf oder die Verpachtung von großflächigen Ländereien an Investoren, die Agrargüter  für den Export anbauen. Momentan werden 35 Prozent der Ernten für Futtermittel genutzt, ein weiterer Teil für die Erzeugung von Agrartreibstoffen.

Unsere Partnerorganisationen in Asien erheben kontinuierlich die Nahrungsmittelpreise auf den Märkten und analysieren die Auswirkungen für die lokale Bevölkerung. Große Sorge haben die Menschen in Bangladesch. Denn die Hälfte der Bevölkerung muss mehr als 70 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben. Preiserhöhungen sind für diese Bevölkerungsgruppen sofort spürbar und verschärfen die bereits schwierige Lage. Im Verlauf des letzten Jahres ist insbesondere der Kilopreis für ungeschälten Reis, der der vor allem von ärmeren Bevölkerungsschichten verzehrt wird, um 34 Prozent gestiegen. Nicht nur bei Reis, sondern auch bei Gemüse, Kräutern und anderen Nahrungsmitteln sind die Preise höher als im letzten Jahr. Unsere Partnerorganisation Unnayan Dhara geht davon aus, dass sich die Armut- und Hungersituation wieder extrem verschärfen wird, wenn die Preissteigerungen so bleiben oder weiter zunehmen.

Um die Zahl der Hungernden 2011 nicht wieder ins Unermessliche steigen zu lassen, muss das künstlich erzeugte Preistreiben von Nahrungsmitteln durch Finanzspekulationen dringend beendet werden. Deshalb fordert „Brot für die Welt“, dass die Teilnahme von Investmentbanken oder Hedgefonds an Termingeschäften mit Agrarrohstoffen dringend reguliert werden muss. Die Festlegung von Obergrenzen für Preise und die Anzahl von Termingeschäften pro Investor wären zum Beispiel erste wichtige Schritte, um Spekulationen mit Nahrungsmitteln zu vermindern.

Zudem setzt sich „Brot für die Welt“ für eine internationale Regulierung der Landvergabe ein. Die baldige Entwicklung und Umsetzung der freiwilligen Leitlinien zu Land und natürliche Ressourcen, angesiedelt bei der FAO, der Welternährungsorganisation, können einen wesentlichen Beitrag für die Gewährleistung von Ernährungssicherheit von gefährdeten Bevölkerungsgruppen sein.

Olivier de Schutter, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, diskutiert momentan ein Moratorium von großangelegten Investitionen, das von den G20 Staaten umgesetzt werden soll bis internationale Kriterien für Landvergaben in Kraft treten. Denn selbst wenn die Konsultationsprozesse der Zivilgesellschaft und die Abstimmungsprozesse unter den Staaten wie geplant durchgeführt werden, werden die freiwilligen Leitlinien zu Land und natürlichen Ressourcen erst Ende 2011 verabschiedet.

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