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Agrartreibstoffe

Der weltweite Energiehunger lässt eine massive Ausweitung der Anbauflächen für Energiepflanzen befürchten.
Foto: Brot für die Welt

Angesichts der sinkenden Reserven an fossilen Brennstoffen und steigender Mineralölpreise ist das Interesse an Kraftstoffen aus Mais, Zucker und Weizen sowie ölhaltigen Pflanzen wie Raps, Soja oder Ölpalmen stark gestiegen. Auch Entwicklungsländer in Lateinamerika, Afrika und Südostasien hoffen darauf, eine wichtige Rolle als Kraftstoff- bzw. Rohstofflieferanten einzunehmen. Doch schon jetzt zeigen sich die Schattenseiten der Produktion: Einerseits führten die gestiegenen Weltmarktpreise für Weizen, Öl und Mais zu Hungerrevolten in mehreren Entwicklungsländern, andererseits ist auch die Klima-, Umwelt- und Energiebilanz einer Agrotreibstoffproduktion im großen Stil kritisch zu betrachten.

Agrotreibstoffe machten 2006 weltweit nur 1% des gesamten Kraftstoffverbrauchs aus, wobei 90% auf Bioethanol entfallen. Brasilien und die USA produzieren zusammen mehr als zwei Drittel des Bioethanols. Der weltweite Energiehunger lässt eine massive Ausweitung der Anbauflächen für Energiepflanzen, insbesondere in Entwicklungsländern befürchten. Die Europäische Union beschloss im März 2007 eine Beimischungsquote von 5,75% für Agrodiesel bzw. Ethanol. Im Jahr 2010 soll diese auf 10 Prozent und 2020 auf 20 Prozent angehoben werden. Da in Europa die Anbauflächen bei weitem nicht ausreichen, um das momentan anvisierte Beimischungsziel zu erreichen, ist die EU auf Importe angewiesen. Aus entwicklungspolitischer Sicht ist die entscheidende Frage dabei, wie der Zielkonflikt zwischen "vollen Tanks" und "vollen Mägen" vermieden werden kann.

Bevor die Agrartreibstoffe als regenerativen Energien aus ökologischer, sozialer und menschenrechtlicher Sicht guten Gewissens befürwortet werden können, müssen eine Reihe von Kriterien erfüllt sein. In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern "Brot für die Welt", Misereor, FIAN und Oxfam unter anderem

  • dass die die Ernährungssicherheit der armen Bevölkerung nicht gefährdet werden darf;
  • die Arbeits- und Lebensbedingungen auf den Plantagen mindestens den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) genügen müssen;
  • Verträge mit Kleinbauern, Zulieferern und lokalen Unternehmen fair und transparent ausgehandelt und eingehalten werden müssen und Landrechte nicht verletzt werden dürfen;
  • die Expansion des Energiepflanzenanbaus keine negativen Folgen für die lokale Bevölkerung haben darf, wie etwa durch den Einsatz von Pestiziden und anderen Chemikalien oder eine Begrenzung des Zugangs zu ausreichend und sauberem Wasser.

Solange diese Bedingungen nicht erfüllt sind, lehnt Brot für die Welt einen Beimischungszwang für Agrokraftstoffe ab.

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