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Tansania: Ein Arbeiter schneidet Zuckerrohr, aus dem Ethanol hergestellt wird. Foto: Christof Krackhardt
Welche Rolle kann Agroenergie im lokalen, nationalen und internationalen Maßstab spielen? Was bedeutet der weltweite Handel mit Agro-Energie für die gefährdete Ernährungssicherheit und die Armutsbekämpfung in vielen Ländern des Südens? "Brot für die Welt" bezieht mit diesem Diskussionsbeitrag Stellung in der weltweit kontrovers geführten Debatte über die Nutzung von Pflanzen zur Energieerzeugung.
Energie statt Ernährungssicherheit?
Die Strom-, Wärme- und Kraftstoffproduktion aus Ölpflanzen und Getreide, aus Holz, Stroh und Gräsern wirft unweigerlich Fragen nach der Zukunftsfähigkeit der energieintensiven Wirtschafts- und Lebensweise in den entwickelten Industrienationen auf. Dies gilt umso mehr, wenn die nachwachsenden Energierohstoffe in steigendem Maße aus Entwicklungs- oder Schwellenländern eingeführt werden sollen. Bereits jetzt belegen Futter- und Nahrungsmittelerzeugung für den internationalen Markt große Weide- und Ackerflächen in Ländern des Südens – und treten dort in Konkurrenz zur lokalen Lebensmittelerzeugung. Kommt nun noch der Exportanbau nachwachsender Energierohstoffe hinzu, wird dann nicht die Flächenkonkurrenz abermals verstärkt? Bedeutet der Welthandel mit Agroenergie nicht eine weitere Gefährdung der in vielen Ländern prekären Ernährungssicherheit?
Agroenergie statt Energiesparen?
Lenkt das Ziel, einen größeren Teil des Energiebedarfs durch Biomasse-Importe aus Entwicklungsländern zu decken, nicht von der Notwendigkeit einer drastischen Verbrauchssenkung ab? Die Notwendigkeit eines Umsteuerns kann kaum bestritten werden: Steigt etwa die Treibstoffnachfrage tatsächlich wie prognostiziert weiter an, wird die Beimischung von Agrosprit nicht zu einer Minderung des heutigen Verbrauchs von fossilen Treibstoffen in Europa führen können.
Positive Klimaeffekte?
Es nehmen aber auch die grundsätzlichen Zweifel an der Klimabilanz verschiedenen Agroenergieträger zu. Immer mehr Wissenschaftler warnen, das CO2-Einsparpotential von Agrotreibstoffen werde deutlich überschätzt. Einige vertreten sogar die Auffassung, Agrotreibstoffe könnten gar den Klimawandel beschleunigen, wenn die Verwendung der stark klimawirksamen Stickstoffdünger berücksichtigt wird. Bedenklich stimmt auch, dass tropischen Rohstoffen häufig eine günstigere Klimabilanz unterstellt wird, wobei die mit ihrem großflächigen Anbau einhergehenden Verdrängungseffekte jedoch meist unberücksichtigt bleiben.
(Mai 2008)
Diskussionspapier
Das Diskussionspapier "Entwicklungspolitische Folgen des Welthandels mit Agroenergie" geht obigen und weiteren Fragen nach und zeigt Alternativen zu gängigen Lösungsansätzen.