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Jugendliche aktiv

Eine Woche für Afrika

Vielfalt auch in der Musik: Moderner Jazz trifft auf klassische afrikanische Rhythmen beim ökumenischen Afrikagottesdienst in der Ev. Stadtkirche Laubach. Foto: Jana Niesner.

Der Spendenlauf auf dem Sportplatz war ein voller Erfolg: Insgesamt 1022 Kilometer legten die 243 Teilnehmenden gemeinsam zurück. Foto: Jan-Niklas Volk

Kenianisches Kind holt Brennholz: Wie sich die Region verändert hat, zeigt der emeritierte Gießener Geografie-Professor Ulrich Scholz, der selbst lange Jahre in Somalia gelebt und geforscht hat, in einem interessanten Vortrag. Foto: Prof. Dr. Ulrich Scholz

Multikultureller Abschluss auf dem Supermarkt-Parkplatz: Der Schulchor der Friedrich-Magnus-Gesamtschule zeigt bei der Abschlussfeier sein Können. Foto: Kathrin Tresper

 „Da kann man eh nix machen!“ – so kommentierte ein Facebook-Nutzer das Bild eines hungernden Kindes. Gepostet wurde es in den Sommerferien von einer Neuntklässlerin der Friedrich-Magnus-Gesamtschule aus dem mittelhessischen Laubach, die so ihre Freunde auf die Hungersnot am Horn von Afrika aufmerksam machen wollte. Auch Jörg Niesner verfolgte die Diskussion im Internet. „Vielleicht können wir ja doch was tun!“, überlegte der evangelische Schulseelsorger und fasste einen Entschluss: Er vereinbarte mit den Schülern nach den Ferien ein Hilfsprojekt anzuschieben – mit überwältigendem Erfolg.

Pünktlich zum Läuten der Glocken der Evangelischen Stadtkirche Laubach an diesem Montagmorgen im August hat Annemarie Rutkowska (20), die zurzeit ein Praktikum in der Friedrich-Magnus-Gesamtschule absolviert, den Altarschmuck für den ökumenischen Eröffnungsgottesdienst der Aktionswoche hingestellt. „Es macht Spaß zu sehen, wie begeistert die ganze Schule dabei ist“, sagt die angehende Religionslehrerin. „Klar mach’ ich da auch mit!“. Das gilt auch für Jazzsaxofonist Philipp Gerschlauer (25). Der ehemalige Schüler und inzwischen gefragte Profimusiker eröffnet gemeinsam mit der Schul-Trommelgruppe den Gottesdienst. Ein paar kurze Absprachen genügen und los geht‘s.

Dass nie geprobt wurde, hört man nicht. Im Gegenteil: Es ist ein musikalischer „Ohrenschmaus“, der da zu Bildern des emeritierten Gießener Geografie-Professors Ulrich Scholz geboten wird. Scholz, der – noch zu Friedenszeiten – in Somalia gelebt und geforscht hatte, hat eine Auswahl ausdrucksstarker Fotografien aus dem Land mitgebracht, die jetzt per Beamer auf die Kirchenwand projiziert werden.

Umdenken – Freude schenken

Schulseelsorger Niesner geht in seiner Predigt auf das Ziel der Aktionswoche ein. Am Schluss zähle nicht nur ein Euro-Betrag, sondern vor allem auch das, was sich nicht messen lässt: Gelerntes über diese „eine“ Welt und ihre Zusammenhänge; die Kreise, die das Projekt hoffentlich zieht und vielleicht sogar so etwas wie ein Umdenken, das stattfindet: Was in meinem Leben ist wirklich wertvoll und wichtig? An welchen Dingen hängt mein Herz? Kann ich etwas abgeben? Denn: „Übers Teilen freuen sich immer zwei“, erinnert Niesner.

Köstlichkeiten aus dem Kochtopf

Den Seelsorger freut es zudem, dass in der Schule eine Aufbruchsstimmung zu spüren sei: „Wo Aufbruch die Resignation vertreibt, da kann etwas wachsen: Wir nennen es Hoffnung“, betont er. Keine Woche des Beweinens, sondern eine des hoffnungsvollen Aufbruchs soll diese Aktionswoche werden! Nach dem abschließenden Segenswort, treffen sich die Gottesdienstbesucher vor dem Gemeindehaus im Schatten des Laubacher Schlosses. Dort wartet die Koch-AG der Schule, die unter Anleitung von Hauswirtschaftslehrerin Martina Wirth-John einen afrikanischen Eintopf zubereitet hat, den die Gäste nun begeistert probieren – gegen einen Obulus in die aufgestellten Spendendosen.

Diese bunten Sammelbüchsen, die v.a. die jüngeren Schülerinnen und Schüler gestaltet haben, sind auch dabei, als insgesamt 70 Laubacher Jugendliche während der Woche durch die Gemeinde ziehen und an den Haustüren um Spenden bitten. Auf Ablehnung sei man aber kaum gestoßen, erzählt die 15-jährige Madlen: „Die meisten Leute waren total nett und fanden gut, was wir machen“.

2555 Runden für den guten Zweck

Große Klasse ist auch, was Sylvia Groß‘ 7. Hauptschulklasse leistet. Gemeinsam mit „ihren“ Kids kümmert sich die Lehrerin um den Spendenlauf auf dem Sportplatz. Fast die Hälfte der Schülerschaft hat sich dazu angemeldet! Jeder der 243 Teilnehmer musste sich im Vorfeld einen oder mehrere Sponsoren suchen, die pro gelaufene Runde auf der 400-Meter-Aschenbahn einen frei gewählten Betrag spenden. „2555 Runden – das entspricht stolzen 1022 Kilometern – sind unsere Schüler für den guten Zweck gelaufen“, resümiert Sylivia Groß begeistert.

Ein Ergebnis, das auch andere überrascht: „Puh! Das hätte ich nie gedacht, dass sie so viele Runden packt“, meint ein Vater, der am Rand des Sportplatzes seine Tochter angefeuert hat. „Laufen ist sonst nicht so ihr Fall – da haben wir uns etwas verkalkuliert. Das wird teuer!“, sagt er lachend. „Aber das geht schon klar. Für diesen Zweck gibt man gerne etwas mehr!“

Traut Euch – und spendet!

Doch nicht nur Eltern zeigten sich spendabel. Die Hilfsaktion schlägt über die Schule hinaus Wellen wie die rege Unterstützung der Laubacher Gewerbebetriebe beweist. Viele größere Einzelspenden habe es ebenso gegeben, wie die von Klassen oder der Schülervertretung, die jeweils ihre Kassen ‚geplündert’ hätten, um die gute Sache zu unterstützen, verrät Jörg Niesner. „Ganz besonders habe ich mich über die Kollekte eines Traugottesdienstes gefreut“, berichtet der Seelsorger. Das junge Paar hat auf Facebook von der Aktion gelesen und spontan den Wunsch geäußert, die Kollekte des Gottesdienstes, in dem auch ihr kleiner Sohn getauft wurde, für diese  Aktion zu erheben.

„Feierlicher“ Abschluss unter freiem Himmel

Den Höhepunkt der Aktionswoche bildet ein großes multikulturelles Fest auf dem Parkplatz eines lokalen Supermarkts, das von vielen engagierten Mitwirkenden getragen wird. So wie Dilan und Selina. Die beiden 12 und 13 Jahre alten Mädchen sind sehr aufgeregt, denn sie treten zum ersten Mal öffentlich auf – und dann direkt vor einem so großen Publikum. Der Parkplatz hat sich inzwischen nämlich gut mit Zuschauern gefüllt, die begeistert sind von dem jungen Duo: Souverän und gefühlvoll singt Dilan, während sie von Selina auf dem Klavier sicher begleitet wird. Viel Beifall finden auch die Darbietungen des Schulchores und der Schüler-Trommelgruppe.

Für internationales Flair sorgt das Mulitkulturelle Orchester Gießen mit Melodien und Gesängen aus verschiedenen Kulturen. Großen Zuspruch erfährt auch das frisch zubereitete türkische Essen des Alevitischen Kulturhauses Laubach e.V., dessen herrlicher Duft ebenso die vielen Besucher angezogen haben mag, wie die Musik und das sonnige Wetter. Richtig gerockt wird noch mal, als die vierköpfige Jugendband „Ocean Floor“ auf die Bühne kommt. Ein würdiger Abschluss für einen wunderschönen Tag und eine erfolgreiche Woche.

Ein stolzer Betrag für die gute Sache

12.500 Euro kann die Laubacher Friedrich-Magnus-Gesamtschule am Ende an „Brot für die Welt“ überweisen. „Und noch immer, selbst zwei Wochen nach der Aktion, kommen Spenden rein“, staunt Sofiya Abed Ali. „Mit so einem tollen Ergebnis hätten wir nie gerechnet“, betont die Schülerin einer 10. Realschulklasse, die gemeinsam mit zahlreichen Schulkameraden und Lehrern das beachtliche Programm zusammengestellt hat. Dass man doch etwas machen kann und nicht einfach nur zusehen muss, wenn Leid geschieht, ist sicher die wichtigste Erkenntnis der Aktionswoche an der Friedrich-Magnus-Gesamtschule.

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