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"Kein Arzt ist in Sicht"
Zur Geburt des Sohnes von Muttulakshmi – Mitbewohnerin im Frauenhaus in dem ich ein Jahr in Indien arbeitete – fahre ich mit einer Mitarbeiterin ins staatliche Krankenhaus. Auf dem Weg zum richtigen Saal sehe ich dreckige Wände, Kranke auf dem Boden sitzend und rieche den beißenden Gestank. Im 50 Betten–Saal für frischgebackene Mütter ist nur eine Krankenschwester, kein Arzt ist in Sicht.
Privatkliniken sind noch einmal ganz anders. Je nachdem wie viel Geld man hat kann man – wie in einem Hotel – aus einem Prospekt 6-Bett-Zimmer oder Zwei-Zimmer-Suite wählen. Aus der normalen Bevölkerung kann sich niemand nur eines der Angebote leisten.
Christina Kühne, Freiwillige in Indien
"Noch lange sind nicht alle Dörfer erschlossen"
Für 10 Rupien (ca. 15 Cent) ein Medikament zu bekommen, ist selbst in Indien etwas Besonderes. Wenige Dörfer haben das Privileg von den mobilen Dorfkliniken (finanziert von Hilfsorganisationen) besucht zu werden. Bewohner von entlegenen Dörfern müssten sonst lange Wege zu Fuß gehen um zum nächsten Arzt zu gelangen und die Behandlung wäre wohl unbezahlbar. Die mobile Dorfklinik besteht aus einem Arzt, einer Krankenschwester und einem Fahrer, die regelmäßig in Dörfer fahren, um dort die Menschen kostenlos zu behandeln. Die Patienten zahlen dann für jedes Medikament nur 10 Rupien. Noch lange sind nicht alle Dörfer erschlossen.
Christina Kühne, Freiwillige in Indien
"Im Röntgenraum griff niemand zur Bleischürze"
Fieberthermometer mit Quecksilber und alte Blutdruckmessgeräte – Ausstattung indischer Ärzte. Geld Ausstattung anzuschaffen fehlt zwar nicht, aber dafür diese für jedermann zu nutzen. Immer wieder habe ich miterlebt, dass es in der Gesundheitsversorgung oft am Finanziellen mangelt, teilweise auch an Unwissenheit und Unerfahrenheit der Ärzte. Eine Mitfreiwillige sollte zum Beispiel bei Magen-Darm-Verstimmung routinemäßig geröngt werden. Im Röntgenraum griff niemand zur Bleischürze. Was die Medikamentenversorgung betrifft, scheitert es oft am Geld. Medikamente sind zwar im Vergleich zu Deutschland sehr günstig. Da es aber kein Versicherungssystem gibt, können sich viele diese nicht leisten.
Christina Kühne, Freiwillige in Indien
"Zum Waschen einer bettlägrigen Patientin betrat eine der Schwestern das Zimmer mit Sonnebrille, zweifachem Mundschutz, Röntgenschürze und Gummihandschuhen bis zur Schulter reichend“
HIV/AIDS ist auch in Indien ein wichtiges Thema, dass leider oft totgeschwiegen wird. HIV-positiv zu sein und dazu zu stehen bedeutet oft den Ausschluss aus dem sozialen Umfeld. Das hat zur Folge als letzten Ort der Zuflucht nur Krankenhäuser oder Hospize von Hilfsorganisationen zu sehen. In einem Hospiz in der Nähe von Madurai in Südindien bekommen sie ihre Medikamente, einen Schlafplatz und regelmäßige Mahlzeiten. Leider merkt man auch hier sogar den Krankenschwestern an wie wenig sie über Aids wissen und wie groß ihre Angst ist. Zum Waschen einer bettlägrigen Patientin betrat eine der Schwestern das Zimmer mit Sonnebrille, zweifachem Mundschutz, Röntgenschürze und Gummihandschuhen bis zur Schulter reichend. Aufklärung findet immer noch viel zu wenig statt.
Christina Kühne, Freiwillige in Indien
"Ich komme da mit einem Zahn weniger wieder raus“
Kelechi: "Nee… Dahin gehe nicht. Den Schmerz halte ich ja noch aus."
Lina: "Aber die werden dich doch nur kurz örtlich betäuben, das Loch ausbohren und dir eine frische Füllung verpassen."
Kelechi: "Pah! Das glaubst du! Ich komme da mit einem Zahn weniger wieder raus!"
Gute Instrumente und Maschinen gibt es beim Zahnarzt selten und wenn, dann zu teuer für den Normalbürger. Mein Freund Kelechi ist nur einer von vielen, der die Behandlung so lange wie möglich hinauszögert.
Lina Droste, Freiwillige in Kamerun
"Es verstrichen Minuten, bis ich mit ihm auf dem Weg ins Krankenhaus war"
"Ich war auf dem Weg zur Arbeit. Als ich bei Ndamoukongstreet um die Ecke ging, traf ich auf eine große Traube von Menschen. Inmitten lag ein blutender, bewusstloser Motorradfahrer – ohne Schutzhelm, wie jeder andere auch.. Es verstrichen Minuten, bis ein paar Passanten mir geholfen hatten ihn in ein Taxi zu schaffen und ich mit ihm auf dem Weg ins Krankenhaus war. Notarztwagen gibt es in Kamerun nicht."
Lina Droste, Freiwillige in Kamerun
"Könnt ihr weißen in Europa euch eigentlich auch mit HIV infizieren?!
"Könnt ihr weißen in Europa euch eigentlich auch mit HIV Infizieren?" Diese Frage stellte mir eine HIV-infizierte Frau. Trotz vielen Organisationen, die versuchen Aufklärungsarbeit zu leisten, infizierte Menschen zu unterstützen und Medikamente so kostengünstig wie möglich bereit zu stellen, herrschen noch viel Unwissenheit, Gerüchte, Ignoranz, Unterspielung der Problematik, Stigmatisierung und finanzielle Einschränkungen einer wirkungsvollen Behandlung vieler Patienten.
Lina Droste, Freiwillige in Kamerun
"Schwestern und Pfleger gibt es dafür zu wenige"
"…als ich aus unserem Büro vom 'Youth Network For Health' hinausgehe, kommt mir schon der Geruch von Feuer in die Nase. Ein paar Schritte weiter sehe ich auch schon die Frauen auf den prasselnden Feuern 'Fufu und Njamanjama' kochen, in den Küchen, die hinter dem Krankenhausgelände gebaut sind. In den Krankenhäusern sind die Familienangehörigen nicht nur für die Essensversorgung der kranken zuständig, sondern auch für das Waschen und den Toilettengang. Schwestern und Pfleger gibt es dafür zu wenige."
Lina Droste, Freiwillige in Kamerun
"Als wir es erreichten, war der Ansturm groß“
"Vier Stunden wanderten wir über Berge und Wiesen, Felder und Trampelpfade, um, auf dem kürzesten Weg, in das Dorf Kichowi zu gelangen. Als wir es erreichten um Kranke und Schwangere zu behandeln, Kinder zu impfen und Medikamente zu verteilen, war der Ansturm groß. Für viele Bewohner Kameruns sind Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäuser nur schwerlich zu erreichen. Transport steht nur bedingt zur Verfügung und bedeutet eine weitere finanzielle Belastung, die einige nicht tragen können. Grund genug also um Schmerz auszuhalten, Krankheiten nicht ernst zu nehmen oder sich erst im schlimmsten Fall, doch oft auch zu spät auf den Weg zu machen. Unsere Besuche in Dörfern wie Kichowi sind zwar schon ein entscheidender Fortschritt, doch kann auf Grund begrenzter Mittel, kaum eine voll effektive, gar ausreichende Versorgung gewährleistet werden."
Sarah Bittner, Freiwillige in Kamerun
"Den Ärzten sind die Hände gebunden"
"Rechnungen von Behandlungen und Medikamenten müssen von den Patienten und deren Angehörigen selbst bezahlt werden. Wer nichts hat kann nichts bekommen. Ein großes Problem vieler Kameruner, die für eine unvorhersehbare Behandlung nicht das nötige Geld auftreiben können. Krankenkassen bieten zwar teilweise eine soziale Absicherung an, doch die werden, aus finanziellen Gründen von den meisten nicht genutzt. Den Ärzten sind die Hände gebunden. Teilweise müssen sie ihre unbehandelten Patienten wieder nach Hause schicken, mit dem Wissen, dass es für sie dort keine Genesungs- oder Überlebenschance gibt."
Sarah Bittner, Freiwillige in Kamerun
"Durch Naturheilkräuter, bestimmte Rituale und die Kraft der Ahnen und Geister geheilt werden"
Traditionelle Medizin ist in Kamerun immer noch ein großes, und aus Sicht der modernen Mediziner ein problematisches Thema. Eine recht große Verbundenheit zu uralten Traditionen und Geisterglaube bringt einige Kameruner dazu ihren traditionellen Heilsmännern Vertrauen zu schenken und diese im Krankheitsfall als erste Anlaufstelle zu nutzen, um dort durch Naturheilkräuter, bestimmte Rituale und die Kraft der Ahnen und Geister geheilt zu werden. Auch einer Reihe unqualifizierter "Ärzte", die rezeptfrei auf der Straße gefälschte Medikamente anbieten oder eben mal von sich behaupten AIDS heilen zu können, wird viel Glauben geschenkt. Erst wenn das alles nichts hilft, kommen Kranke mit entzündeten wunden, Infektionen oder kleinen Ritzereien an den schmerzenden Körperteilen zur Behandlung bei modernen Medizinern.
Sarah Bittner, Freiwillige in Kamerun