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Brot für die Welt

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28.01.2010

Die Bank hat geöffnet

Spenderinnen und Spender wollen gute Nachrichten. Meine 50 Euro, heute überwiesen, sollen möglichst schnell das Unheil wenden, das mir in die Glieder gefahren ist. Auch der Nachrichtensammler am Ort schrecklichen Geschehens beginnt bald mit der Suche nach Hoffnungskrümeln. So auch in der Trümmerwüste von Port-au-Prince, nach dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010.

Trinkwasser, Nahrung, ärztliche Erste Hilfe: all das ist immer noch Mangelware, in großen Teilen der Todeszone überhaupt noch nicht angekommen. Aber die bewegten Bilder der Tagesschau beweisen: die ersten Banken haben wieder geöffnet! Leute drängeln, schubsen und im Kommentar heißt es, sie wollen abheben, was Verwandte im Ausland ihnen geschickt hätten.

Wenn die Banken wieder öffnen, ist das Schlimmste vorbei! Die Reporter geben ihren Bildern diese Botschaft mit auf den Weg, eindeutig. Stimmt sie? Wenn ja, für wen? Für wen nicht?

Ich erinnere mich: kein Bankkonto zu haben, das ist hierzulande ein lupenreines Armutskennzeichen, peinlich, ein wirtschaftliches Brandmal. Niemand soll sich mit diesem Handicap durch den Alltag schlagen müssen, sagen die Sozialverbände.

Man muss nicht in der Schlange gestanden haben um zu wissen, dass längst nicht alle Erdbebenopfer in Port-au-Prince ihre Hoffnungen auf Auszahlungen am Bankschalter setzen können. Die Mehrzahl geht leer aus. Da sind keine Verwandten in den USA oder Europa, die etwas schicken. Wie in Haiti, so überall auf Erden, wo der Hunger und seine Folgen regieren.

Banken und krasse Armut, das scheint wie Feuer und Wasser, wie Tag und Nacht. Dennoch kann jede evangelische Gemeinde Bankdienstleistungen möglich machen, die das Blatt wenden, die den Sieg über hoffnungslose Armut näher bringen. Der Erwerb von Anteilen der Ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft EDCS ist nur ein Weg unter mehreren. Die Genossenschaft verleiht Kleinstkredite an die Armen in den Ländern des Südens. Die Entgegennahme eines solchen Mikrokredits zu fairen Bedingungen war schon für Millionen tüchtiger Menschen ein Wendepunkt in ihrem Leben.

Ungleich öfter allerdings gehen Menschen überall in der wohlhabenden Welt zu den Banken und schicken Euro, Dollar oder Pfund an ferne Familien in der Welt des Südens. Geld, für das sie geschuftet haben, nicht selten ausgebeutet bis auf die Knochen. Geld, das aufaddiert schwerer wiegt als die Entwicklungshilfe zwischen den Staaten. Sie denken nur an ihre eigene Familie. Aber all diese Treuen mit ihren legalen und illegalen Billigjobs zwischen Berlin und Chicago, zwischen Sidney und Rom, bewerkstelligen wenigsten einen kümmerlichen Sozialausgleich zwischen den so verschiedenen Wohnungen im irdischen Haus.

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