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Kein Gottesdienst ohne die Kerzen auf dem Altar. Aber auch, wenn es in der Gemeinde gemütlich werden soll, sparen wir nicht mit Kerzenlicht: ob Osterfrühstück oder Adventsfeier, Jahresfest oder Geburtstage. Wenn dann schnell einmal hundert und mehr kleine Kerzen vonnöten sind, ist sparsamer Einkauf angesagt. Denn je nach Rohstoff reißen Kerzen unterschiedlich große Löcher ins Portemonnaie.
Wenn es den Bienen nicht gut geht, wird auch der Naturstoff Bienenwachs knapp und noch teurer als er ohnehin ist. Bienenwachs leisten wir uns eigentlich auch nur in den Altar- und Taufkerzen. Die Masse machte bisher das Paraffin, gewonnen aus Erdöl. Seine Entdeckung geschah in einer Zeit, als Erdöl ein Pfennigsartikel war. Das ist ein für allemal vorbei, kurzfristige Preisschwankungen an Börse und Tankstelle hin oder her.
So setzen die Hersteller unserer immerhin 160.000 t Kerzen pro Jahr zunehmend auf das Pflanzenfettgemisch Stearin; auch eine schon mehr als 150 Jahre alte Erfindung. Stearin mag sich für den Kaufmann rechnen, zumal die Anbauflächen für tropisches Palmöl derzeit auf „Deubel komm heraus“ ausgeweitet werden. Kaum ein Regenwaldareal in Indonesien oder sonstwo, das nichts längst in den Profiterwartungen des Agro-Energie-Business eine Rolle spielt. Weg mit Affen, knallbunten Vögeln und unproduktiven Waldbewohnern! Platz für die profitable Einöde der Palmölplantagen! Klima? Biodiversität? Sollen sich andere woanders darum den Kopf zerbrechen – aber nicht dort, wo der große Reibach winkt.
Dabei macht es wenig Sinn, auf indonesische, brasilianische oder kongolesische Manager und Politiker einzudreschen. Der Natur verschlingende Boom der Palmölindustrie kann sich nur austoben, weil unser aller alltägliches Beharren auf Energieverschwendung die Profitfantasien belebt.
Preiswertes, wenn auch leider die Schöpfung ruinierendes Palmöl; ein wahrscheinlich steigender Bestandteil in den unschuldigen Lichtlein auf Gemeindehaustischen und Adventskränzen? Sollen wir uns darum jetzt auch noch kümmern? Zumal das ja wohl die sprichwörtlichen Peanuts sind, gemessen am globalen Palmölgeschäft.
Wenigstens sollten wir uns das kleine Aha-Erlebnis gönnen. Die mordsgefährlichen Widersprüche unseres Lebensstils reichen bis in die vertraute Atmosphäre unserer Gemeindekreise. Und dann gibt es ja noch den bio-fairen Handel. Der hat reichlich Kerzen im Angebot. Und das lässt sich bei gezielter Nachfrage von Christenmenschen und Gemeinden gewiss auch ausbauen.
von Harald Rohr