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EU-Beamte haben bei uns Steuerzahlern ein verbesserungsbedürftiges Image. Überbezahlt, geheimniskrämerisch, lebensfremd. Gerecht oder ungerecht: etwas bleibt immer hängen. Vielleicht wurde es darum Zeit, dass diese Nachricht durchsickerte: Namentlich nicht genannte Experten in Brüssel meinen es gut mit Europas Leistungsträgern, den Autofahrern. Fing zu Kaiser Wilhelms Zeiten der Mensch beim Leutnant an, dann müssen es heute Führerschein und Kfz-Schein sein. Wer tankt und fährt, ist bereit für Business und Konsum, also für die Kardinaltugenden des verantwortungsbewussten Zeitgenossen.
Mit dem Tanken freilich kann es problematisch werden, wenn über kurz oder lang die Ölförderpumpen ins Stottern geraten. „Verbrauch runter – Bio-Kraftstoff rein“ heißt deshalb seit ein paar Jahren die Zauberformel. Und weil Deutschlands Äcker für dies Konzept doch ein bisschen klein geraten sind, bekommt die Dritte Welt ihre Chance. Soll sie uns doch liefern, was sich in den Tank kippen lässt, gegen gutes Geld selbstverständlich.
Ach ja, das Ganze natürlich völlig „bio“. Nur Restflächen, die für die Nahrungsmittelproduktion entbehrlich sind und außerdem: bitte keine Tropenwälder abhacken zu diesem Zweck.
Alles paletti? Der EU-Autofahrer lehnt sich zurück und plant schon mal die nächste Italienreise. Und Brüssel tut was. Dort kann man rechnen, anders als am deutschen Autofahrer-Stammtisch. Nichts ist es mit „bio“ bei den Agrartreibstoffen. Auch reduzierte Pflichtbeimischungen lassen sich nur auf Kosten des täglichen Brotes der heute schon vom Hunger Bedrohten produzieren. Und an die „unproduktiven“ Wälder wollen die Machthaber am Kongo, am Amazonas oder in Indonesien sowieso ran. Ölpalmen-Plantagen statt Urwald, das verspricht Milliarden. Blöd nur, dass die EU den Schutz der Wälder versprochen hat.
Aber wofür hat man seine Fachleute? Die formulieren flugs ein Gutachten, dass auf den Tipp hinausläuft, die geplanten Mega-Plantagen auf Urwaldboden doch einfach als Wälder einzuordnen. Zu lesen ist dieser verbale Eiertanz im Februar 2010 im Internet, Echtheit unbestritten.
Ein Wald besteht doch wohl aus Bäumen. Oder etwa nicht? Aus großen Bäumen. Nun ja, die Artenvielfalt rund um die Abermillionen genetisch identischer Ölpalmen-Stämme ist gleich Null. Und man hat schon Orang-Utans gesehen, die in dieser grünen Todeszone den Verstand verloren haben. Aber welcher Autofahrer will es schon so genau wissen?
Das ist das Vertrackte mit der Sprache. Mit ihrer Hilfe lässt sich Frieden schließen, Gerechtigkeit fördern, aber auch dem Verbrechen Vorschub leisten.
von Harald Rohr