| || Home > Kirche & Gemeinde > 2. Ökumenischer Kirchentag München > Menschenrechtler werden mit dem Tod bedroht |
„Mit Sicherheit in Lebensgefahr: Kolumbiens Menschenrechtler“. So lautete der Titel einer von „Brot für die Welt“ mit organisierten Veranstaltung, bei der es um den mutigen Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit trotz ständiger Todesdrohungen ging. Zwei kolumbianische Menschenrechtlerinnen berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen. So viele Kirchentagsbesucher wollten die Erfahrungen der beiden Frauen teilen, dass der Hörsaal kurz nach Beginn der Veranstaltung wegen Überfüllung geschlossen werden musste.
Michael Windfuhr, der Leiter des Menschenrechtsreferats des evangelischen Hilfswerks „Brot für die Welt“ betonte, dass die Angehörigen der Opfer der Gewalt von Militär und Paramilitärs Anspruch auf Aufklärung und gerichtliche Verfolgung hätten. Er beklagte, dass die juristische Aufarbeitung von offizieller Seite blockiert und unterdrückt werde. Deutlich kritisiert wurde auf der Veranstaltung das gerade geschlossene Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kolumbien, während die Regierung Úribe nach wie vor Kleinbauern vertreiben und Menschenrechtler verfolgen lässt.
"Zahlen des Grauens"
„Viele Zahlen des Grauens“, so Windfuhr, wurden genannt. Täglich vertreiben regierungsnahe Todesschwadronen schätzungsweise 1.000 Bauern von ihrem Land. So sind den Angaben zufolge in den vergangenen 15 Jahren Kleinbauern von insgesamt sieben Millionen Hektar vertrieben worden, einer Fläche, die der Größe Bayerns entspreche, berichtete Liliana Úribe. Die Gründerin des unabhängigen Anwaltskollektivs „Corporación Juridica Libertad“ ist für ihr Engagement erst vor kurzem mit der Pfarrer-Georg-Fritze-Gedächtnisgabe ausgezeichnet worden.
Úribe und Flor Galleogo, die die „Bewegung der Opfer staatlicher Verbrechen“ gegründet hat, müssen ihre Arbeit unter ständigen Todesdrohungen tun. Denn Menschenrechtsverteidiger werden in Kolumbien von Regierungsseite als „Demagogen des Terrorismus“ verunglimpft, wie ein Film über eine Rede von Regierungschef Úribe deutlich machte. Deshalb sei es wichtig, auch im internationalen Rahmen Öffentlichkeit herzustellen zur Unterstützung der Menschenrechtlerinnen. „Das wirtschaftliche Hemd dürfe deshalb der EU nicht näher sein als die menschenrechtliche Hose“, betonte Windfuhr im Blick auf das Freihandelsabkommen. Flor Gallego ist selbst betroffen von den Verfolgungen. Sie hat neun Familienmitglieder verloren. Ihr Ehemann Hernando Castano wurde verschleppt und ist nie mehr aufgetaucht.