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Wenn´s nach den Wirtschaftsweisen geht, können unsere Geschäftsleute dem Weihnachtsgeschäft 2010 entspannt entgegen sehen. Das Geld sitzt wieder lockerer in unseren Taschen. Mehr konsumieren ist sogar Bürgerpflicht, meinen auch die zuständigen Minister.
Da kommen Offerten der gehobenen Preisklasse gerade richtig. Z.B. die schicke Armbanduhr, mit der der Träger wortlos aber deutlich sein Statement aussendet: wo ich bin, ist vorn, wenigstens, was Fähigkeit und Lust zum Konsum betrifft. Bei mir stimmen auch die Details. Ja, das Armband meiner Uhr ist echt kein Imitat. Echte Waran-Haut, alternativ echtes Python-Leder. Aus frisch abgeholztem indonesischen Urwald, den eh keiner mehr braucht; es sei denn zur Anlage der nächsten Palmölplantage.
Alles spricht dafür, dass ich keiner Horrormeldung aufsitze. Ellenlang ist die Liste der natürlich illegalen einwandfrei dokumentierten Raubzüge durch die Restnatur der Tropen. Aktuell müsste sich der Adel der Uhrenindustrie eigentlich rechtfertigen, wieso er nachweislich die Häute der Bindenwarane, großer Urwald-Reptilien, zu Zehnhausenden zu Armbändern verarbeitet. Statt dessen hüllt man sich in den Schweizer Hauptquartieren in Schweigen oder stottert wahrheitswidrig etwas von legalen Zuchten der Warane bzw. Schlangen. Freilich braucht es nur elementare Grundkenntnisse der Zoologie und der Rechtslage, um zu wissen, dass Warane und Pythons nicht zu Hunderttausenden aus solchen Bezugsquellen stammen können.
Ersparen möchte ich den Leserinnen die Schilderungen des Schlachtvorgangs. Da dient alles nur dem Zweck, sich so bequem wie möglich der Häute zu bemächtigen und nicht, der Kreatur elendes Krepieren zu ersparen.
Selbstverständlich, die Sache mit den Edel-Armbändern ist skandalös genug. Wer davon erfährt, den müsste so ein Armband eigentlich unerträglich jucken. Aber das Ganze ist ja nur ein winziges Puzzleteilchen eines Trends zur Krisenbewältigung, der unsere Gemeinschaft aller Voraussicht nach nur noch tiefer ins Unheil führen wird. Wachstum um jeden Preis, auch um jeden zerstörerischen Preis, soll uns allen wieder mal eine strahlende Zukunft bescheren.
Wir wissen es längst besser. Aber wir folgen den falschen Signalen wie ein Alkoholiker der nächsten Flasche. Das Weihnachtsevangelium, das unfreiwillig die Kulisse zu allerlei zukunftsunfähigen Kauf-Räuschen abgeben muss, kann uns da eines Besseren belehren.
von Harald Rohr