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Das war nicht immer so. Gabriel Madiye, der Leiter von Shepherd’s Hospice in Sierra Leones Hauptstadt Freetown , erinnert sich, wie es früher war: „Die Anwohner haben das Hospiz blockiert und unsere Mitarbeiter und Patienten mit Steinen beworfen, sodass wir die Polizei rufen mussten.“, Noch vor ein paar Jahren habe niemand über Aids sprechen wollen – das Thema war tabu. Der Leiter: „Die Leute kannten sich nicht aus: Sie fürchteten, sich über Alltagskontakte mit Aids-Patienten zu infizieren. Niemand wollte etwas mit den Kranken zu tun haben“.
Wer offen war, lebte gefährlich
Das Unwissen hatte manchmal schreckliche Folgen. Rashidatu Bangura musste für ihre Offenheit in Sachen HIV vor fünf Jahren fast mit ihrem Leben bezahlen: Ein Nachbar griff die heute 30-Jährige mit einem Messer an und bedrohte auch ihre Kinder. Der Täter wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Rashidatu ist umgezogen, ihren Mut ließ sie sich nicht nehmen. Heute ist sie eine der aktivsten Mitarbeiterinnen von Shepherd’s Hospice.
Der lange Schatten des Bürgerkriegs
Rashidatu Banguras Vergangenheit ist grausam: Während des elfjährigen Bürgerkriegs in Sierra Leone wurde sie von Rebellen verschleppt und musste einem Rebellen als Ehefrau dienen. Damals war sie 16 Jahre alt. Bei Kriegsende war sie auf sich selbst gestellt und hatte nur die Möglichkeit, als Prostituierte Geld zu verdienen. Die junge Frau lebte auf der Straße. Einmal hatte sie einen Liebhaber, der sie mit nach Hause nahm.
HIV-positiv - und verzweifelt
Wahrscheinlich hatte sich Rashidatu Bangura schon früher mit dem HI-Virus angesteckt, denn schon bald brach Aids bei ihr aus. Damit wollte ihr Freund nichts zu tun haben – und warf die junge Frau hinaus. Sie musste zurück auf die Straße. Rashidatu wollte sich das Leben nehmen, doch zum Glück traf sie auf Samuel.
Wissen hilft und macht Mut
Der Mitarbeiter von Shepherd’s Hospice sprach ihr Mut zu und klärte sie über Aids-Medikamente auf. Mit der Medizin ging es Rashidatu schon bald besser. Sie entschied sich für eine Ausbildung im Hospiz und klärt seitdem über HI-Virus und Aids-Krankheit auf, besucht Kranke zu Hause und überwacht, ob die verschriebenen Medikamente auch regelmäßig eingenommen werden.
Botschaften der Hoffnung im Radio und im Chor
Nebenbei spricht die junge Frau offen im Radio über ihre Infektion und singt begeistert mit im Chor von Shepherd’s Hospice: „Meine Eltern haben mich schon früh im Stich gelassen, meine einzige Hoffnung ist der allmächtige Gott und meine Arbeit hier im Hospiz“. Rashidatu fügt hinzu: „Weil ihr Spendengelder schickt, kann Gabriel Madiye die Arbeit hier fortführen und damit werden auch Menschen wie ich unterstützt.“
Aufklärung ohne Angst
Die Zeiten haben sich geändert: Heute fliegen keine Steine mehr. Die Aufklärungsarbeit hat Früchte getragen. Das Shepherd’s Hospice ist inzwischen die größte Organisation, die im Kampf gegen HIV und Aids in Sierra Leone tätig ist.