Am 1. Advent 2008 eröffnet "Brot für die Welt" seine 50. Spendenaktion und blickt damit auf 50 Jahre erfolgreiche Arbeit in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa zurück. Jubiläen sind nicht nur ein Grund zu feiern, sondern auch um dankbar Rückschau zu halten. In 50 Jahren konnte "Brot für die Welt" Millionen von Menschen dabei unterstützen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, sich eine Existenz aufzubauen und in Würde zu leben. Dafür danken wir den evangelischen Kirchen und ihren Gemeinden in Deutschland, die uns vor 50 Jahren gegründet und seither getragen haben, sowie allen Spenderinnen und Spendern, die diesen Einsatz für die Armen und Marginalisierten auf dieser Welt durch ihren finanziellen Beitrag erst möglich gemacht haben. Wir danken unseren hochmotivierten und kompetenten kirchlichen und nicht-kirchlichen Partnerorganisationen weltweit. Sie sind für uns nicht Instrumente unserer Pläne und unseres Willens, sondern sie sind gleichberechtigte Gesprächspartner und Geschwister in der einen weltweiten Kirche, mit denen wir gemeinsam für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung eintreten.
Partner als Akteure vor Ort
Im vergangenen Jahr hat "Brot für die Welt" insgesamt 1171 Projekte (Vorjahr 1.071 Projekte) in 77 Ländern gefördert. Zur Finanzierung der Projektarbeit wurden im Jahr 2007 insgesamt 53,9 Millionen Euro (Vorjahr 52,2 Millionen Euro) bereitgestellt. Wesentliches Merkmal der Projektarbeit von "Brot für die Welt" ist die enge Zusammenarbeit mit unseren Partnerorganisationen in den Entwicklungsländdern. Dadurch stellen wir sicher, dass alle Projekte den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Gegebenheiten vor Ort angepasst sind. Gemeinsam mit den Betroffenen werden Wege zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen erarbeitet. So werden aus Begünstigten maßgebliche Akteure, die ihren eigenen Entwicklungsprozess gestalten. Die Erfolge dieser Arbeit haben wir im Hinblick auf unser Jubiläum in einer wissenschaftlich begleiteten Studie dokumentiert. Die Ergebnisse werden im Oktober 2008 vorgestellt.
Erfolgreiche Maßnahmen zur Einnahmesteigerung
Die Gesamteinnahmen der Aktion "Brot für die Welt" stiegen gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent auf 65,4 Millionen Euro. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Spendeneinnahmen und Nachlässe, die um acht Prozent auf 56,7 Millionen Euro gestiegen sind. Für diesen Vertrauensbeweis unserer Spenderinnen und Spender sind wir sehr dankbar. Wir bewerten dies als erste Erfolge unserer in den Jahren 2006 und 2007 erarbeiteten und bereits teilweise umgesetzten neuen Kommunikations- und Werbekonzepte. Damit und mit einer im Herbst 2007 beschlossenen neuen Struktur in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit reagiert "Brot für die Welt" auf die aktuellen Herausforderungen des Spendenmarktes. Ziel ist es, die Identifikation der Kirchengemeinden mit "Brot für die Welt" zu stärken und die Spendeneingänge zu erhöhen.
ACT Development
"Brot für die Welt" hat seine Mitarbeit im Rahmen des entwicklungspolitischen Dialogs in den Ländern des Südens sowie innerhalb der ökumenischen Organisationen und anderer zivilgesellschaftlicher Netzwerke auch im Jahr 2007 verstärkt. Anfang 2007 wurde in der kenianischen Hauptstadt Nairobi unter maßgeblicher Mitarbeit von "Brot für die Welt" das weltweite kirchliche Entwicklungsnetzwerk "ACT Development" (Action by Churches Together Development) gegründet. Es umfasst 55 Mitgliedsorgansationen mit mehr als 14.000 Mitarbeitern weltweit. "Brot für die Welt" wird von seiner Direktorin im zwölfköpfigen Exekutivausschuss vertreten. Derzeit wird die Fusion von ACT Development mit dem weltweiten kirchlichen humanitären Hilfsnetzwerk ‚ACT International’ zur ACT-Allianz vorbereitet, um die Übergänge zwischen humanitärer Nothilfe, Rehabilitation, Entwicklung und Prävention in Zeiten des Klimawandels zu optimieren. Der neuen Allianz werden weltweit weit über hundert kompetente und erfahrene kirchliche Organisationen angehören. ACT könnte so zu einem der größten globalen Akteure der Humanitären Hilfe und Entwicklungsarbeit werden. Die engere Verbindung zwischen kirchlicher Not- und Entwicklungshilfe weltweit führte auch innerhalb des Diakonischen Werkes der EKD zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen "Brot für die Welt" und ihrer Schwesterorganisation Diakonie Katastrophenhilfe.
Regionale Verbindungsstellen
Um die Kooperation mit unseren Partnern auch im Rahmen dieses internationalen entwicklungspolitischen Dialogs zu stärken, hat "Brot für die Welt" im letzten Jahr drei regionale Büros, sogenannte Verbindungsstellen eingerichtet: in Vietnam (Hanoi), am Horn von Afrika (Addis Abeba) und in den Anden (Lima). Die Mitarbeiter in diesen Büros begleiten die Partnerorganisationen bei der Projektarbeit und haben die Aufgabe, sie stärker in unsere Öffentlichkeits-, Lobby- und Kampagnenarbeit einzubeziehen. Anfang 2008 wurde zudem in der Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes der EKD in Brüssel eine Person eingestellt, die in Zusammenarbeit mit den Verbindungsstellen Gelder der Europäischen Union für die Projektarbeit für "Brot für die Welt" akquirieren soll.
Transparenz, interne Kontrollsysteme und Qualitätsmanagement
Transparenz sowie hohe Qualität und Effizienz bei der Arbeit sind uns in fast 50 Jahren Entwicklungszusammenarbeit immer sehr wichtig gewesen. "Brot für die Welt" erhielt auch für das Jahr 2007 das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Wir gehören ferner auch zu den ersten zehn von insgesamt 43 Spendenorganisationen, die im Rahmen des Transparenzpreises von PriceWaterhouse Coopers 2007 am besten bewertet wurden. Um uns auch in diesem Bereich immer weiter zu verbessern, werden die interne Organisationsstruktur sowie die Kontrollsysteme und Verfahren von "Brot für die Welt" im Rahmen des vor zwei Jahren eingeführten Qualitätsmanagementsystems "Qualität als Prozess – QAP" kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt.
Darüber hinaus hat "Brot für die Welt" bereits vor zehn Jahren ein Controllingsystem aufgebaut, das Teil eines umfassenden Risikomanagement- und Frühwarnsystems ist. So kann rechtzeitig auf mögliche Fehlentwicklungen und Abweichungen reagiert werden. Wir unternehmen große Anstrengungen, um - gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen - die Qualitätsstandards in der Entwicklungszusammenarbeit weiter zu entwickeln und die Mitarbeitenden auf allen Ebenen zu qualifizieren. Im vergangenen Jahr wurde gemeinsam mit Partnern und im Rahmen von ACT weiter an einer systematische Wirkungsbeobachtung unserer Projekte im In- und Ausland gearbeitet.
Um auch in Zeiten öffentlicher Spendenskandale das Vertrauen der Spenderinnen und Spender zu erhalten und die Rolle als Mittlerin zwischen Gebenden und Empfangenden und Anwalt der Armen und Benachteiligten glaubwürdig wahrnehmen zu können, hat "Brot für die Welt" gemeinsam mit der Diakonie Katastrophenhilfe eine Selbstverpflichtung für mehr Transparenz und gute Geschäftsführung erarbeitet, an der sich das Handeln aller Mitarbeitenden orientiert.
Im Sommer 2007 hat der Vorstand des Diakonischen Werkes der EKD Antikorruptionsleitlinien für die Arbeit von "Brot für die Welt" verabschiedet. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von "Brot für die Welt" sowie von Partnerorganisationen werden in Workshops und Mitarbeitergesprächen für die Gefahr von Korruption sensibilisiert sowie auf die für alle verbindlichen Antikorruptionsleitlinien aufmerksam gemacht. Um der Korruption vorzubeugen, geht die Controllingabteilung allen angezeigten Verdachtsmomenten nach, führt selbst Stichproben durch oder veranlasst sie. Auf einem Workshop der entwicklungspolitischen Dachvereinigung VENRO im April 2008 zeigte sich, dass "Brot für die Welt" mit diesen pro-aktiven Maßnahmen handelt.
Im Oktober 2007 gab die Diakonische Konferenz dem "Ausschuss für Ökumenische Diakonie" (AÖD) - dem Bewilligungsausschuss der Ökumenischen Diakonie und damit auch von "Brot für die Welt" - eine neue Geschäftsordnung. Alle Mitglieder wurden neu gewählt. Mit der neuen Geschäftsordnung wurde eine Trennung von Aufsicht und Geschäftsführung vorgenommen. Die Direktorin von "Brot für die Welt" fungiert seither als nicht mehr stimmberechtigte Geschäftsführung des Ausschusses. Zum Vorsitzenden des AÖD wurde der württembergische evangelische Landesbischof Frank Ottfried July gewählt. Ebenfalls neu ist, dass der AÖD aus seiner Mitte einen gemeinsamen personenidentischen Bewilligungsausschuss mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) personell besetzt, der alle Projektvorhaben der beiden Entwicklungswerke genehmigt.
Zentrum für Entwicklung und Diakonie
Langfristig soll "Brot für die Welt" im Verbund mit anderen Arbeitsbereichen der Ökumenischen Diakonie mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst e.V. (EED), derzeit mit Sitz in Bonn, zu einem gemeinsamen "Zentrum für Entwicklung und Diakonie" zusammengeführt werden. Sitz dieses neuen großen evangelischen Entwickungswerks, das die evangelische Entwicklungsarbeit unter dem gemeinsamen Namen "Brot für die Welt" weiterführt, soll Berlin sein. Der Umzug von Bonn und Stuttgart nach Berlin ist für 2012 oder 2013 geplant. Er wird nicht aus Spendenmitteln oder Rücklagen von "Brot für die Welt" finanziert. Mit dem Zusammenschluss wird der Konzentrationsprozess der evangelischen Entwicklungszusammenarbeit abgeschlossen und ein Werk geschaffen, das über alle gegenwärtig relevanten Instrumente der In- und Auslandsarbeit verfügt. Ferner wird der nahtlose Übergang von Nothilfe und Rehabilitation zu Entwicklung und Prävention für alle Krisenregionen gewährleistet sowie die internationale Netzwerkbildung und die Zusammenarbeit in der Armutsbekämpfung und beim Schutz von Menschenrechten ausgebaut.
Stuttgart, im Juli 2008
Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel
Direktorin "Brot für die Welt"