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Eineinhalb Jahrzehnte nach dem Ende der Rassentrennungspolitik lebt ein Großteil der Schwarzen in Südafrika immer noch in großer Armut. Viele schwarze Jugendliche fühlen sich ausgegrenzt. An den Schulen gehört Gewalt zum Alltag. Der "Brot für die Welt"-Partner CSVR analysiert Konflikte und sucht nach Lösungen.
Krisensitzung im Lehrerzimmer der Staatspräsident-Swart-Schule in Pretoria: Auf dem Tisch liegt eine Ausgabe der Tageszeitung "Pretoria News". Die Titelseite zeigt das Foto einer Schülerin der Swart-Schule mit Kopfverband. Sie behauptet, von einer Mitschülerin brutal niedergeschlagen worden zu sein. "Wir brauchen Hilfe," sagt Cynthia Dednam, die Rektorin der Staatspräsident-Swart-Schule. Emily Mabusela nickt. Ihr Job ist es, Konflikte zu analysieren und Lösungen vorzuschlagen.
"Wir wollen verstehen, warum es Gewalt gibt"
Die 30-jährige Emily Mabusela ist die Jugendprogramm-Koordinatorin des "Centre for the Study of Violence and Reconciliation" (CSVR), gerade startet ihre Abteilung ein von "Brot für die Welt" finanziertes Projekt an 13 weiterführenden Schulen. Eine davon ist die Swart-Schule: "Wir wollen verstehen, warum es an Ihrer Schule Gewalt gibt, und dann Maßnahmen vorschlagen, diese einzudämmen", sagt sie den Lehrern und teilt einen Fragebogen aus. Viele Lehrer sind dankbar, dass endlich jemand nach ihren Problemen fragt. "Insgesamt mangelt es an Werten", klagt eine junge Lehrerin. "Zu Hause, in der Schule und im ganzen Land!"
Wertemangel und Gewalt seien eine Altlast der Apartheid-Politik mit ihrer Trennung der Bevölkerungsgruppen und ihrer ungleichen Verteilung von Ressourcen, meint Emily Mabusela. Die Arbeitslosigkeit im Land beträgt 40 Prozent. Von der Perspektivlosigkeit in die Kriminalität ist es für die vorwiegend schwarzen Schüler nur ein kleiner Schritt. Das mehrheitlich weiße Lehrerkollegium lebt in einer ganz anderen Wirklichkeit als ihre Schüler – nach Meinung der Experten von CSVR ein Teil des Problems.
"Mitschüler müssen eingreifen"
Weil hauptsächlich die Acht- und Neuntklässler die Sorgenkinder seien, schlägt Emily Mabusela ein Mentoren-Programm vor: Die Elft- und Zwölftklässler würden sich dann "ähnlich wie ein großer Bruder oder eine große Schwester" jeweils um einen Schüler der niedrigeren Klassen kümmern. "Die Mitschüler müssen schon eingreifen, wenn zwei Klassenkameraden sich wüst beschimpfen. Wenn eine Schlägerei begonnen hat, ist es dafür zu spät."