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Französisch-Polynesien

Gerechtigkeit für die Opfer der Atomtests

Ein Reiseveranstalter wirbt: "Tahiti und ihre Inseln entsprechen unserer Vorstellung vom Paradies."

Aldébaran hieß die erste, eine 28-Kilotonnen-Bombe. Bis 1974 folgten 45 weitere, viel größere Bomben.

Ehemalige Arbeiter des Atomversuchsprogramms sind krebskrank und sich sicher: Es hat mit Moruroa zu tun.

Im Verein "Moruroa e tatou" haben sich ehemalige Arbeiter des Atomversuchsprogramms zusammengetan.

Die Frau von Felix Teraimano cremt ihn vorsichtig ein. Seine Diagnose: Haut-, Darm-, Schilddrüsenkrebs. 

Für "Radioaktivität" haben die Polynesier kein Wort. "Betrunken" oder "übel" ist ein verstrahlter Mensch.

"Die Arbeiter sterben uns weg", sagt John Doom, der Koordinator von "Moruroa e tatou". 

Teriitaria Aviu entlud Schiffe mit verstrahltem Eisen. "Er arbeitete ohne Schutzkleidung", erzählt seine Witwe.

Die unermüdliche Lobbyarbeit von "Moruroa e tatou" hat bewirkt, dass Frankreich ein Gesetz zur Entschädigung von Strahlenopfern angekündigt hat.

Das Leben von Raymond Taha besteht aus Warten. Warten auf die nächste Diagnose und auf Gerechtigkeit.

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Fast 200 Atombomben zündete Frankreich zwischen 1966 und 1996 zu Versuchszwecken im Pazifik. Mehr als 10.000 Polynesier wurden für die Arbeiten in den Testgebieten herangezogen. Viele von ihnen sind in der Folge an Krebs erkrankt. Die Organisation "Moruroa e tatou" setzt sich für eine Entschädigung der Opfer ein.

Tahiti. Eine Insel in der Südsee. Hier verbringen verliebte Paare ihre Flitterwochen. Doch das Paradies im Ozean trägt ein schweres Erbe: 30 Jahre lang testete Frankreich auf den nahegelegenen Korallenatollen Moruroa und Fangataufa seine Atomwaffen.

Ramond Taha war schon beim ersten Versuch im Sommer 1966 als Hilfsarbeiter dabei. Die Detonation der Bombe beobachtete er auf einem Schiff auf dem offenen Meer. "Als wir zum Atoll zurückkamen, war der Boden mit toten Fischen übersät. Die Kokospalmen waren verkohlt, Lastwagen hatte es 150 Meter durch die Luft geschleudert." Taha und seine Kollegen mussten die Fische mit bloßen Händen wegräumen. "Die Männer vom Radiologischen Sicherheitsdienst hatten Schutzanzüge an, wir nicht", erzählt er. Als die Polynesier ihre Chefs darauf ansprachen hieß es: "Das ist okay, macht weiter!"

Schweigen auf Befehl
Als John Doom mit ein paar Gleichgesinnten im Jahr 2001 ehemalige Moruroa-Mitarbeiter zu einem Treffen aufrief, rechnete er mit keiner großen Resonanz. Wer sich öffentlich kritisch über das Atomprogramm und seine Folgen äußerte, riskierte Repressionen. "Wir haben damals zwanzig Stühle aufgestellt, doch dann kamen 150 Leute!", erzählt er. Einer nach dem anderen fasste Mut und erzählte seine Geschichte.

Heute hat der Verein "Moruroa e tatou" ("Moruroa und wir") mehr als 4500 Mitglieder – 30 Prozent haben Krebs. "Die Arbeiter sterben uns weg", sagt Roland Oldham, Präsident von "Moruroa e tatou". Er fordert, dass Frankreich endlich ein Gesetz verabschiedet, das bestimmte Krankheiten im Zusammenhang mit Atomtests automatisch als arbeitsbedingte Leiden anerkennt. "Wir verlangen freie medizinische Behandlung und eine angemessene Entschädigung für alle Atomtestopfer."

Erste Urteile in Frankreich
Die Schwesterorganisation AVEN (Association des Vétérans des Essais Nucléaires) hat inzwischen Gerichtsurteile für gut zwei Dutzend Kläger erwirkt – sie haben gewonnen. "Hunderte Klageschriften sind in Vorbereitung, und Dutzende stehen vor der Entscheidung", berichtet Anwalt Jean-Paul Teissonière. Es mag auch der wachsende Druck auf Tahiti sein, der den französischen Verteidigungsminister Hervé Morin Ende 2008 dazu bewog, ein Gesetz zur Entschädigung von Strahlenopfern anzukündigen. Damit würde Frankreich erstmals anerkennen, dass die Atomtests Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen hatten.

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